Unsere Geschichte
Zweihundert Jahre Harmonie — von einem Kreis Paderborner Bürger bis in die Gegenwart.
Die Harmonie-Gesellschaft Paderborn geht auf einen Gründungsbeschluss vom 12. April 1828 zurück und gehört damit zu den ältesten bürgerlichen Gesellschaften Westfalens. Was mit dem Wunsch nach geselliger Begegnung im Kreise gebildeter Menschen begann, trägt bis heute — getragen von zwei Zwecken, die seit der Gründung erhalten geblieben sind: der Geselligkeit und der öffentlichen Wohltätigkeit.
Eine kurze Chronik
- 1827Ein Jägerclub als KeimzelleErste Generalversammlung am 7. November, sechs Deputierte gewählt.
- 1828Gründung unter dem Namen HarmonieBeschluss am 12. April mit 99 Mitgliedern, Beginn am 1. Mai, erste Statuten ab 14. Juni.
- 1841Der eigene Harmonie-SaalZum ersten Mal repräsentative Räume der Paderborner Bürgerschaft in eigener Nutzung.
- 1853Empfang für König Friedrich Wilhelm IV.Die Feier zur Einweihung der Eisenbahn über den Altenbekener Viadukt findet in den Räumen der Harmonie statt.
- 1854Aufnahme der ersten jüdischen MitgliederDie Gesellschaft versteht sich konfessionsübergreifend — Katholiken, Protestanten und Juden.
- 1864Die Rechte einer KörperschaftKönigliche Verordnung Wilhelms I. vom 4. September verleiht die Rechte einer juristischen Person.
- 1925Umzug ins Harmonie-Haus an der RosenstraßeEine von mehreren Adressen, an denen die Gesellschaft im Lauf der Zeit zusammenkam.
- 1978Das Logo zum 150-jährigen BestehenHubert Krawinkel entwirft die Spirale nach dem Goldenen Schnitt.
- 2028Zweihundert Jahre HarmonieFestakt, Festschrift und Sommerfest sind in Vorbereitung.
Aus einem Kreis von Bürgern
Den Anstoß gab im Herbst 1827 ein Kreis Paderborner Bürger, der zunächst einen Jägerclub ins Leben rief. Aus ihm erwuchs binnen weniger Monate der Gedanke einer dauerhaften Gesellschaft. Auf der zweiten Versammlung am 12. April 1828 standen bereits neunundneunzig Mitglieder bereit, und man beschloss die Gründung unter dem Namen Harmonie.
Getragen wurde sie vom eingesessenen Wirtschaftsbürgertum, von der gehobenen Bildungsschicht und von der preußischen Beamtenschaft. Über lange Zeit prägten Juristen den Ton — Paderborn war bis in die 1870er Jahre Sitz des Obergerichts für den Regierungsbezirk Minden. Der Zweck der ersten Statuten war schlicht formuliert: „im Kreise gebildeter Personen mit geringen Kosten Erholung durch den Genuß erlaubter Lebensfreuden zu finden."
Ein Haus für die Bürgerschaft
Die ersten Jahre verbrachte die Gesellschaft in gemieteten Räumen. Mit dem 1841 eingeweihten Harmonie-Saal verfügte die Paderborner Oberschicht zum ersten Mal über repräsentative Räume in eigener Nutzung — unabhängig von Hoteliers, Behörden und Kirchen.
Ein Ereignis von überörtlichem Rang fand hier 1853 statt: Am 21. Juli weihte König Friedrich Wilhelm IV. die westfälische Eisenbahn über den Altenbekener Viadukt ein, und die offiziellen Feierlichkeiten zum Königsbesuch wurden in den Räumen der Harmonie ausgerichtet.
Die Häuser der Harmonie
Im Lauf ihrer Geschichte wechselte die Gesellschaft mehrfach ihr Domizil. Einige der Häuser, in denen sie in Paderborn zusammenkam, sind im Bild überliefert.





Die Rechte einer Körperschaft
Die Harmonie ist kein eingetragener Verein, sondern eine rechtsfähige Körperschaft. Ihr Direktorium stellte am 23. Mai 1864 bei der Königlichen Regierung in Minden den Antrag auf Erteilung von Korporationsrechten. Durch Königliche Verordnung Wilhelms I. vom 4. September 1864 erhielt die Gesellschaft die Rechte einer juristischen Person — eine Rechtsform, die sie bis heute trägt.
Ihre Statuten wurden mehrfach überarbeitet: 1828, 1849, 1857, 1887 und 1926. Erst die Fassung von 1926 nahm neben der Geselligkeit ausdrücklich die Förderung der öffentlichen Wohltätigkeit als zweiten Zweck auf.
Über die Konfessionen hinweg
Bemerkenswert für ihre Zeit war, dass die Harmonie sich konfessionsübergreifend verstand. Ihr gehörten Katholiken, Protestanten und Juden der städtischen Oberschicht an, dazu Adlige aus dem Umland. Mit dem Kaufmann Löwenstein (1854) und den Gebrüdern Eichengrün (1856) wurden erstmals jüdische Kaufleute aufgenommen.
Der Historiker Dietmar Klenke, dem die einzige wissenschaftliche Untersuchung der Gesellschaft zu verdanken ist, deutet sie als einen Ort, an dem konfessionelle, politische und berufliche Trennlinien der Paderborner Oberschicht zugunsten eines bürgerlich-zivilen Umgangs zurücktraten.
Bis heute
Bis heute führt die Harmonie die Idee ihrer Gründer fort. Ihr Leitbild vom 14. März 2002 beschreibt sie als „Gesellschaft für Begegnung und Kultur". Witwen früherer Mitglieder bleiben ihr als außerordentliche Mitglieder verbunden, und ihrem zweiten Zweck, der Wohltätigkeit, kommt sie durch Spenden an Paderborner Einrichtungen nach.
Heute zählt die Harmonie rund einhundert Mitglieder — und blickt auf ihr zweihundertjähriges Bestehen im Jahr 2028, das mit Festakt, Festschrift und Sommerfest begangen wird.
Aus zwei Jahrhunderten
Mitglieder, Vorsitzende und Ehrenmitglieder früherer Generationen, die mit der Stadt und der Gesellschaft verbunden waren.
- 1784–1869Alexander BrandisStadtdirektor und Bürgermeister, Mitgründer 1828
- 1815–1883Ferdinand SchöninghBuchhändler und Verleger
- 1827–1887Friedrich Wilhelm Grimmewestfälischer Mundartdichter
- 1830–1908Arnold GüldenpfennigDiözesanbaumeister des Erzbistums
- 1900–1991Klemens HonselmannKirchenhistoriker, Festredner 1978
Das Zeichen
Eine Spirale nach dem Goldenen Schnitt
Das Zeichen der Gesellschaft entstand 1978 zum 150-jährigen Bestehen. Der Entwurf von Hubert Krawinkel zeigt eine logarithmische Spirale, die dem Goldenen Schnitt folgt — dem seit der Antike als harmonisch empfundenen Maßverhältnis.
In ihm liegt der Name der Gesellschaft als Bild: Harmonie nicht als bloßer Gleichklang, sondern als das rechte Verhältnis der Teile zum Ganzen. Bis heute ist die Spirale das Herzstück unseres Erscheinungsbildes.
Herkunft und Archiv
Das schriftliche Gut der Gesellschaft liegt im Stadt- und Kreisarchiv Paderborn unter der Signatur V 41 — Harmonie-Gesellschaft Paderborn. Die historischen Aufnahmen der Häuser stammen aus der Festschrift zum 150-jährigen Bestehen (1978).
Die wissenschaftliche Grundlage dieser Darstellung ist Dietmar Klenkes Untersuchung „Die Paderborner Harmonie-Gesellschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert" (2004), daneben die Festschriften von 1928, 1953, 1978 und 2003.